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Russland

Tätige Nächstenliebe für obdachlose Behinderte

Die Pokrovskaja-Gemeinschaft ist eine Schwesternschaft der Russisch-Orthodoxen Kirche. Sie leistet Pflege, Seelsorge und Sozialarbeit für Bedürftige – meist behinderte oder schwer kranke Obdachlose.

Empfang im Überganswohnheim
Foto: Pokrovskaja-Gemeinschaft

Im St. Petersburger Marijnskij-Krankenhaus pflegt die Pokrovskaja-Gemeinschaft schon seit vielen Jahren Obdachlose, die als Notfälle eingeliefert werden. Die Organisation beschafft Medikamente, Bettwäsche und Nahrungsmittel – seit dem Zerfall des staatlichen Gesundheitssystems müssen diese Dinge selbst bezahlt werden.

Situation vor Ort

In St. Petersburg leben ungefähr 54.000 Menschen ohne festen Wohnsitz. Sie sind beispielsweise Flüchtlinge aus anderen GUS-Staaten oder Strafentlassene; andere sind Menschen, die Opfer von Immobilienbetrug wurden oder aufgrund von Vorstrafen das Recht auf einen Wohnsitz verloren haben. Die meisten Obdachlosen haben keine persönlichen Papiere mehr. Daher sind sie für die Behörden nicht existent und haben kein Anrecht auf staatliche Leistungen. Behinderte und schwer kranke Obdachlose trifft dies besonders hart. Sie können aufgrund ihrer eingeschränkten Möglichkeiten nicht von den wenigen existierenden Hilfsangeboten Gebrauch machen.

Einen Platz zum (Über-)Leben geschaffen

Da der Aufenthalt im Krankenhaus maximal 14 Tage betragen kann, müssen viele Obdachlose nach der Akutversorgung erst einmal wieder auf die Straße „entlassen“ werden. Um eine Alternative zum Leben auf der Straße zu schaffen, eröffnete die Gemeinschaft im Jahr 2005 ein Übergangspflegeheim für die behinderten und schwer kranken Obdachlosen. Sie erhalten dort neben der medizinischen Behandlung und Pflege auch juristische Unterstützung. Diese beinhaltet die Wiedererstellung des Passes, die Registrierung als Behinderte/r mit Anrecht auf staatliche Sozialleistungen oder Rente und die Erstellung des Antrags auf Aufnahme in ein staatliches Pflegeheim. In manchen Fällen ist sogar Hilfe bei der Suche nach einem Arbeitsplatz möglich.

Im Übergangspflegeheim arbeiten neben Sozialarbeiterinnen und Seelsorgern auch Krankenschwestern und ein Arzt. Zum Angebot gehören ein Entzugsprogramm, die Beschäftigung mit Kunst und Musik und andere Rehabilitationsmaßnahmen. Zudem versucht die Pokrovskaja-Gemeinschaft, verlorene Kontakte zu Familie und Verwandten wieder herzustellen; für jeden Klienten wird außerdem ein psychologisches Profil mit Empfehlungen für eine Unterstützung nach Verlassen des Heims erstellt. Die Verbindung reißt aber auch dann nicht ab: Bei Problemen können sich die Menschen auch nach der Entlassung an die Gemeinschaft wenden – oder einfach zu Besuch vorbeikommen.

Förderung durch „Kirchen helfen Kirchen“: 75.000 EUR pro Jahr (2006-2010)

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